Uber den Künstler
Mari(e) Silvester Andriessen wurde am 4. Dezember 1897 in Haarlem in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Sein Vater, Louis Andriessen sen., war Maler und Restaurator, und auch seine Brüder Hendrik (Komponist) und Nico (Architekt) wurden später bekannte Künstler. In diesem kreativen Umfeld entwickelte Mari schon früh seine Liebe zu Form und Ausdruck. Nach seiner Ausbildung an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam begann er als traditioneller figurativer Bildhauer, entwickelte aber im Laufe der Jahre einen zunehmend nüchternen und kraftvollen Stil.
Er gilt als Mitglied der zweiten Generation der Gruppe der figurativen Abstraktion, kurz De Groep genannt. Diese Künstler arbeiteten weiterhin figurativ, abstrahierten und vereinfachten jedoch ihre Formen, um das Wesentliche einzufangen. Andriessens Skulpturen sind unverwechselbar, schwer und massiv, oft mit einer leicht stilisierten Formensprache, die innere Stärke und Menschenwürde betont.
Ein wichtiger Wendepunkt in seinem Leben und Werk war der Zweite Weltkrieg. Er half Untergetauchten und wurde dafür im Oranjehotel in Scheveningen inhaftiert. Diese Erfahrung hinterließ tiefe Spuren. Nach dem Krieg wurde er zu einem der bedeutendsten Künstler von Widerstandsdenkmälern in den Niederlanden. Sein bekanntestes Werk ist „Der Hafenarbeiter“ (1952) am Jonas Daniël Meijerplein in Amsterdam, eine Hommage an den Februarstreik von 1941. Es ist die massive, schlichte Figur eines Arbeiters, der Stärke und Entschlossenheit ausstrahlt – kein überheblicher Held, sondern ein ganz normaler Mann, der sich gegen Ungerechtigkeit auflehnt.
Auch andere Denkmäler, wie „Der Mann vor dem Erschießungskommando“ in Haarlem und „Der Streik“ in Rotterdam, zeichnen sich durch diese bescheidene Monumentalität und Menschlichkeit aus. Andriessen suchte stets das Universelle im Alltäglichen und verzichtete auf unnötige Details, um den Kern seines Themas hervorzuheben. Seine Arbeiten sind nicht laut oder pompös, sondern kraftvoll in ihrer Einfachheit und Empathie.
Neben Widerstandsdenkmälern schuf er auch Porträts, Grabdenkmäler und religiöse Statuen, die alle von derselben respektvollen Nüchternheit geprägt waren. Er unterrichtete junge Künstler und wurde als bescheidener und engagierter Mann mit großem Verantwortungsbewusstsein gegenüber seinem Publikum geschätzt.
Bis ins hohe Alter arbeitete er in seinem Atelier in Haarlem. Er starb am 7. Dezember 1979 in seiner Heimatstadt. Mari Andriessen hinterließ ein beeindruckendes und wiedererkennbares Werk, das bis heute von menschlichem Mut, Solidarität und der Kraft der Kunst, zu erinnern und zu verbinden, zeugt.


























































