“Danger”, lithograph 1897
Eugène Grasset
PapierDruck
91 ⨯ 56 cm
€ 2.150
Inter-Antiquariaat Mefferdt & De Jonge
- Über Kunstwerk“Danger”, lithograph from 1897, designed by Eugène Samuel Grasset and published by G. de Malherbe. Dimensions approx. 91.5 × 56 cm. Eugène Grasset (1845–1917) was a Swiss graphic designer and illustrator who spent most of his career working in Paris, where he became one of the leading pioneers of Art Nouveau. After early experiments with ceramics and interior design, he devoted himself almost entirely to illustration and lithography from around 1877 onwards. In his graphic work, he developed a distinctive visual language characterized by flowing lines, flat areas of colour, and a strong decorative rhythm. This work, like Anxiété and Tentation, forms part of the series Dix Estampes Décoratives (caractères de femmes, fleurs emblématiques), issued in an edition of 750 copies. In this series, Grasset links female figures to abstract concepts and emotional states, articulated through a symbolic yet visually accessible imagery. In Danger, a confident young woman in a red dress is depicted, appearing aware of the threat behind her. To her left, a wolf leaps forward with bared teeth, suggesting vigilance and danger. In combination with the wolf, the red garment may evoke associations with the Little Red Riding Hood motif, albeit without explicit narrative elaboration. In the foreground bloom oleanders (Nerium oleander), an ornamental plant known for its toxicity, which here functions as the fleur emblématique for the concept of “danger.” Grasset appears less concerned with illustrating a fairy tale than with visually exploring an abstract notion: danger as a mental and sensory experience. With Danger, Grasset demonstrates how decorative design and symbolic subject matter converge within early Art Nouveau. The poster is representative of his approach, in which ornament, figure, and meaning are elegantly interwoven. Price: Euro 2.150,- (incl. frame)
- Über Künstler
Eugène Samuel Grasset (25. Mai 1845 – 23. Oktober 1917) war ein Schweizer Dekorationskünstler, der in Paris zu einem der Pioniere des Jugendstils wurde. Während der Belle Époque arbeitete er in einem beeindruckend breiten Spektrum an Disziplinen: von Möbel- und Innendesign über Textilien, Keramik und Schmuck bis hin zu Grafikdesign. Sein Werk prägte die elegante, rhythmische Ornamentik und die natürlichen Motive, die so charakteristisch für den neuen Stil werden sollten.
Grasset wurde in Lausanne geboren und wuchs in einem handwerklich geprägten Umfeld auf: Sein Vater war Tischler und Bildhauer, und er lernte schon früh den Umgang mit Meißeln und Hohlbeiteln. Er studierte Zeichnen bei François-Louis David Bocion und ging 1861 nach Zürich, um Architektur zu studieren. Reisen prägten ihn ebenfalls; ein Besuch in Ägypten beeinflusste seine späteren Entwürfe ebenso wie seine Faszination für die japanische Kunst, deren flächige Unterteilung und stilisierte Linien sein gesamtes Werk durchdringen.
Zwischen 1869 und 1870 arbeitete Grasset in Lausanne als Bühnenbildner und Bildhauer. In dieser Zeit lernte er Eugène Viollet-le-Duc kennen, den einflussreichen Denker, der die enge Verbindung von Form, Funktion und Material betonte und eine Neubewertung des Mittelalters anregte. Diese Philosophie prägte Grassets Arbeitsweise maßgeblich und wurde zum Fundament seines gestalterischen Schaffens. 1871 zog er nach Paris, wo er sich zu einem vielseitigen Designer entwickelte. Er entwarf Möbel, Tapeten, Stoffe und Teppiche und schuf Keramik und Schmuck. Darüber hinaus fertigte er architektonische Holzelemente an, die in Gebäude integriert wurden. Seine raffinierten Dekorationsobjekte, die er mitunter aus Elfenbein, Gold und anderen kostbaren Materialien in ungewöhnlichen Kombinationen fertigte, gelten als Eckpfeiler der Bildsprache des Jugendstils.
Ab 1877 konzentrierte er sich verstärkt auf Grafikdesign und erhielt Aufträge für kommerzielle Zwecke, wie beispielsweise Postkarten und später Briefmarken für Frankreich und die Schweiz. Plakate wurden schnell zu seiner größten Stärke: monumental im Design, klar strukturiert und geprägt von kraftvollen Linien und Ornamenten. Werke wie seine Lithografie „Jeanne d’Arc (Sarah Bernhardt)“ fanden Eingang in renommierte Anthologien. 1890 entwarf er auch das Larousse-Logo mit dem Sämann, der Löwenzahnsamen verstreut – eine Ikone, die sein Talent beweist, Poesie und Wiedererkennbarkeit in einem einzigen Bild zu vereinen.
Sein internationaler Durchbruch folgte der Popularität französischer Plakate in den Vereinigten Staaten. In den 1880er-Jahren erhielt Grasset seinen ersten amerikanischen Auftrag; später entwarf er unter anderem ein Cover für die Weihnachtsausgabe des Harper’s Magazine (1892) und Illustrationen für das Century Magazine (1894), darunter „Das Wollpferd“ und „Die Sonne von Austerlitz“. „Das Wollpferd“ wurde so populär, dass Louis Comfort Tiffany das Motiv in Glasmalerei umsetzte, und Grassets amerikanisches Werk trug maßgeblich zur Verbreitung des Jugendstils in der amerikanischen visuellen Kultur bei.
Neben seiner Tätigkeit als Künstler war Grasset auch Lehrer und Theoretiker. Er lehrte an verschiedenen Pariser Schulen und Ateliers, darunter die École Guérin (1890–1903), die École d’Art graphique in der Rue Madame (1903–1904), die Académie de la Grande Chaumière (1904–1913) und die École Estienne. Aus seiner Lehrtätigkeit entwickelte er seine eigene Methode der ornamentalen Komposition und arbeitete an einem Alphabet, das auf dem von Nicolas Jenson (1471) basierte. Der Entwurf wurde 1897 unter dem Namen Grasset als Schriftart patentiert und später von der Schriftgießerei G. Peignot et Fils herausgegeben; eine Kursivversion erschien ebenfalls (1898). 1896 veröffentlichte er zudem eine Abhandlung über die Verwendung von Pflanzen in der Gestaltung, mit Beispielen seiner Schüler. Zu seinen Schülern zählten mehrere spätere Designer und Künstler, die seinen Einfluss fortführten. Grassets Ruf beruht auf einer seltenen Verbindung von handwerklichem Können, architektonischem Denken und grafischer Klarheit. Seine Linien sind klar und zugleich sinnlich, seine Ornamente reichhaltig und doch diszipliniert, und seine Bildsprache vereint historische Inspiration mit modernem Rhythmus. Dies machte ihn zu einer Schlüsselfigur im Übergang zu einer neuen, internationalen Formensprache: dem Jugendstil.
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